Atelier Dunkel­gold

Projektkontext

Handwerk abseits des Katalogs

Dieses Projekt entstand im Sommersemester 2026 im Rahmen der Masterklasse Grafik Design. Die Ausgangslage: Die meisten Websites von Goldschmieden zeigen exzellentes Handwerk, sind aber digital austauschbar, steril und wenig emotional. Die Aufgabe bestand darin, einen High-Fidelity-Prototypen für eine fiktive Wiener Goldschmiede zu entwickeln, der genau dieses Muster bricht. Das Ziel war eine Plattform, die nicht nur Produkte zeigt, sondern eine Haltung vermittelt, Vertrauen aufbaut und den User intuitiv dazu animiert, sich individuellen Schmuck anfertigen zu lassen.

Webdesign UX & UI Responsive Design Storytelling Prototyping
Umfang Persona-Entwicklung, Corporate & UI-Design, Prototyping
Zeitraum April 2026
Ziel Greifbares Branding durch authentisches Storytelling

Die Persona: Helena Steininger

Um eine überzeugende und differenzierte Identität zu erschaffen, habe ich „Helena Steininger“ entwickelt: Eine Wiener Goldschmiedin in 3. Generation, die den Betrieb ihres Vaters übernommen hat, aber eine alternative, leicht düstere Handschrift einbringt.

Ihr Leitmotiv: „Liebe hat Ecken, Kanten und manchmal auch eine dunkle Seite – genau wie mein Schmuck.

Das Konzept der Website bricht bewusst mit dem Mainstream. Es richtet sich an Paare, die Unikate suchen und Wert auf recycelte Materialien sowie die ehrliche, sichtbare Handwerksarbeit legen. Die Seite verkauft keinen fertigen Schmuck, sondern den Weg dorthin: den Prozess, die Werkstatt und Workshops zum Selberschmieden.

Edle Schwere statt steriler Leichtigkeit

Die visuelle Qualität der Seite lebt von starken Kontrasten. Statt der branchenüblichen, weißen Hintergründe mit freigestellten Ringen setzt „Atelier Dunkelgold“ auf Atmosphäre.

01
Farbwelt

Die Palette aus Dunklem Chrom, Dunkelgold, Mattem Gold und Weichem Platin spiegeln die Materialien wider und erzeugen ein Gefühl von Luxus.

02
Typografie

Eine elegante, klassische Serifenschrift prägt die Headlines und sorgt für eine hochwertige, zeitlose Lesbarkeit als Kontrast zur rohen Thematik.

03
Logo

Das Logo greift die Serifenschrift wieder auf und verknüpft traditionelles Handwerk optisch mit exklusivem Luxury Branding.

04
Bildsprache

Fotos von zerkratzten Werktischen und Ringen mit roher Textur unterstreichen die Einzigartigkeit der Schmuckstücke.

Emotionale Bindung statt Produktfokus

Designprozess

Informations­architektur

Der Nutzer wird nicht mit einem klassischen Online-Shop überfordert. Die Navigation ist sehr flach gehalten und darauf ausgelegt, den Besucher emotional aufzuladen. Alle Informationen dienen dazu, ein Gefühl für die Marke zu vermitteln und die Kontaktaufnahme so natürlich wie möglich zu machen.

Dienstleistung als Erlebnis

Um den hohen Wert der Unikate zu kommunizieren, werden die Produktfokus aufgebrochen. Ein interaktives Modul zeigt den Weg vom Erstgespräch bis zum fertigen Ring. Darüber hinaus werden die DIY-Workshops als Highlight positioniert. Diese Haltung beweist: Hier wird nicht nur Schmuck verkauft, sondern ein gemeinsames Erlebnis.

Storytelling durch Historie

Die Originalität der Marke wird durch ihre Wurzeln gefestigt. Die Geschichte des Ateliers ab der Gründung durch Helenas Großvater wird in die Seitenstruktur eingebaut. Der sichtbare Kontrast zwischen historischen Fotos der traditionellen Handwerkskunst und Helenas heutigem, unkonventionellem Ansatz erschafft ein tiefgründiges Storytelling, das sofort generationsübergreifendes Vertrauen aufbaut.

Herausforderungen im Prozess

Dark Elegance

Eine der größten Herausforderungen dieses Projekts war es, eine bewusst raue und düstere Ästhetik zu etablieren, ohne dabei an Exklusivität und Professionalität zu verlieren. Dieser Spagat gelingt durch tiefe, dunkle Farbtöne, die das sterile Layout der Branche brechen. In dieser Inszenierung wirken die rohen Texturen des Schmucks nicht unfertig, sondern extrem hochwertig und kunstvoll.

Radikale Authentizität

Indem Helena direkt bei der Arbeit an der Werkbank gezeigt wird und auch die ungeschönten Emotionen echter Menschen in den Fokus rücken, wird die Marke greifbar. Anstatt steriler Produktfotos sieht der Nutzer rußige Hände und den echten Charakter der Werkstatt. Diese unverfälschte Sichtbarkeit baut Vertrauen auf und senkt die Hemmschwelle zur Anfrage enorm.

Storytelling als Magnet

Dieses Projekt hat mir bewiesen, dass eine gute User Experience weit über Buttons und Menüs hinausgeht – sie beginnt bei der Geschichte.

Wenn man eine einheitliche Linie konsequent durchzieht, spricht man die Zielgruppe viel emotionaler an als mit einer „Für-Alle“-Lösung. Das wichtigste Learning: Luxus im Webdesign entsteht nicht durch weiße Hintergründe, sondern durch dezente Details, kompromisslose Bildqualität und ein Design, das der Handwerkskunst den Raum gibt, den sie verdient.

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